Quasimodogeniti (Die Wiedergeburt)

Quasimodogeniti – 19.04.2020

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Amen.
Jes 40,26-31

Hebet eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, daß nicht eins von ihnen fehlt. Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: «Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber»? Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden.

Lasst uns beten: Herr Gott, himmlischer Vater, du hast durch deinen eingeborenen Sohn den Tod überwunden und uns den Weg zum ewigen Leben eröffnet. Wir preisen deine wunderbaren Taten und bitten dich: verleihe uns den Heiligen Geist, dass wir durch dein Wort getröstet werden, Tag für Tag im Glauben und in der Zuversicht wachsen und einst selig werden. Durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen.

Nun leben wir schon dreieinhalb Wochen ohne Gottesdienst in der Kirche, und da stellt sich für uns die Frage: Können wir nicht eigentlich ganz gut als Kirche, als Christen auch ohne diesen gemeinsamen Gottesdienst in der Kirche weitermachen? Das ist doch wunderbar, dass man den Gottesdienst über das Internat, auf Facebook oder WhatsApp, miterleben und feiern kann. Und wem das nicht reicht, der kann in diesen Tagen und Wochen auch andere Gottesdienste, innerhalb und außerhalb der FELSISA, auf YouTube miterleben und feiern.

Ist doch schön, dass man mit ein paar Mouseclicks auch an anderen Gottesdiensten teilnehmen kann, wenn man sich nicht mit der eintönigen Stimme des eigenen Pastors zufrieden geben muss, sondern sich stattdessen aufbauende Worte von guten Predigern anhören kann? Ja, ist das nicht ein Dienst, an den man sich gewöhnen kann, wenn einem, von verschieden Pastoren, jeden Morgen die Morgenandacht per WhatsApp zugeschickt wird und am Sonntag die Predigt per E-Mail oder per Facebook?

Könnte es nicht sein, dass uns das Corona-Virus, einmal abgesehen von all den schrecklichen Folgen die das Virus mit sich bringt, zumindest als Kirche helfen kann wieder auf der Höhe der Zeit zu kommen? Reicht es für einen Christen nicht, wenn er eine Predigt oder einen Gottesdienst auf Facebook oder Email hören oder lesen kann?
Liebe Schwestern und Brüder in unserem Herrn Jesus Christus, dringend nötig haben wir da das Gotteswort für heute Morgen, dringend nötig haben wir es, dass uns der Prophet Jesaja in diesen Versen wieder neu deutlich macht, worum es in unserem Glauben als Christen, worum es auch in unserem Leben als Kirche eigentlich geht.
Damals, vor zweieinhalbtausend Jahren, saß das Volk Israel, weit weg von Jerusalem, weit weg vom Tempel, in den Flüchtlingscamps in Babylon. Sie konnten nicht mehr zu Gott, der im Tempel wohnte. Allmählich fingen sie an den Kontakt zu Gott zu verlieren. Es schien ihnen als kümmere es Gott auch gar nicht, dass dieser Kontakt abgebrochen worden ist, als hätte er sie längst vergessen.

Und ihr wisst schon wie das ist, wenn eine Beziehung nicht gepflegt wird, wenn da kein Kontakt mehr besteht, der Mensch fängt an neue Beziehungen zu knüpfen und
nachzugehen. Dort in Babylon glaubten die Babylonier damals an die Macht der Sterne, die glaubten an Sternzeichen, an Horoskope, versuchten damit, ihr Leben zu erklären. Die Sterne konnte man wenigstens sehen, und was die babylonischen Sterndeuter da erzählten, das klang alles so wissenschaftlich, so modern – war das nicht viel vernünftiger, ihrem Glauben zu folgen?
Liebe Schwestern und Brüder in unserem Herrn Jesus Christus, neben vielen anderen Glaubensrichtungen, gibt es das auch heute noch, dass Menschen glauben, dass es so etwas wie Sternzeichen gibt, und dass sie dann vielleicht sogar in Zeitschriften nachlesen, was denn das Horoskop so über ihr Sternzeichen zu sagen hat.

Doch Gott möchte nicht, dass wir Menschen denken er hätte den Kontakt zu uns abgebrochen, dass wir denken, er hätte uns verlassen. Und Gott möchte erst recht nicht, dass wir an solch einen Nonsens wie Sternzeichen oder Horoskope glauben. Darum hat er sich damals bei den Israeliten in Babylon gemeldet durch einen Propheten, und darum spricht er auch heute zu uns in seinem Wort.Er sagt: Geh einfach mal an einem schönen klaren Abend nach draußen und gucke dir den Sternenhimmel an. Kannst du erahnen, wie groß das Universum ist? Zehn Milliarden Jahre würde ein Lichtstrahl brauchen, um von einem Ende des Universums zum anderen zu gelangen. Nur zum Vergleich: Von der Sonne bis zur Erde braucht ein Lichtstrahl acht Minuten.
Das ist richtig nicht einfach per Chance entstanden, das ist auch nicht einfach nur von selbst mit einem großen Bang entstanden. Das alles habe ich, dein Herr und Gott, geschaffen, allein durch mein Wort. Die Sterne, die du von der Erde aus am Himmel sehen kannst, die haben keinen Einfluss auf dein Leben. Aber ich, sagt Gott, ich will mit dir zu tun haben, und wenn ich das ganze Weltall geschaffen habe, dann schaffe ich es auch auf jeden Fall, etwas in deinem Leben zu tun.

Und dann sagt euch der Schöpfer der ganzen Welt etwas noch viel Wichtigeres: Ich bin nicht weit weg von euch, ihr findet mich nicht irgendwo jenseits der Grenzen des Universums irgendwo dort, wohin kein Lichtstrahl mehr hinkommt. Sondern ihr findet mich, den Schöpfer des Universums, dort wo ich euch Kraft, wo ich euch Stärke gebe. Ihr findet mich in einem Stück Brot und in einem Schluck Wein im Abendmahl. Ich kann nicht nur ganz groß sein, sondern auch ganz klein, so klein, dass ihr mich anfassen könnt, dass ich in euch leben kann.
Das muss man sich mal durch den Kopf gehen lassen, was das heißt: Der, der solch eine Kraft hat, dass er alle Galaxien des Universums geschaffen hat, der kommt im Abendmahl zu dir. Der, dessen Wort Milchstraßen und Galaxien geschaffen hat, will tatsächlich in dir leben. Wenn dir das keine Kraft gibt, wenn dir das nicht Mut macht! Ja, das macht Gott für dich, damit du niemals denken musst, er habe dich verlassen. Das Abendmahl – Eine Begegnung mit dem Herrn des Universums!

Und dann sagte Gott den Israeliten damals in Babylon noch was: Er sagt zu ihnen: „Weißt du nicht? Hast du nicht gehört?“ Mensch, du hast doch von mir gelernt, du hast doch gelernt, wer ich bin und was ich getan habe. Das war doch keine abstrakte Theorie, das hat doch mit dir, mit deinem Leben hier und jetzt zu tun! Wenn du gelernt hast, dass ich der Schöpfer und Herr der Welt bin, dann nimm das doch auch ernst, denke daran: Das gilt auch für dich ganz persönlich!
„Weißt du nicht? Hast du nicht gehört?“ – Das sagt Gott auch heute Morgen zu euch. Ihr habt viel gehört über das, was er gemacht hat, habt gerade letzte Woche gehört davon, dass Jesus für euch am Kreuz gestorben ist, dass er tatsächlich auferstanden ist.

Und nun sagt Gott auch zu dir: „Weißt du nicht? Hast du nicht gehört?“ Der auferstandene Jesus will selber zu euch kommen mit seinem Leib und Blut, will euch
Vergebung der Sünden schenken und das ewige Leben, will euch im Glauben stärken. Das zu wissen, ist wichtiger als alles andere.
Ja, ihr wisst es, ihr habt es schon so häufig gehört – und doch: Verstehen können wir dieses Wunder alle miteinander nicht, dass sich der unendlich große Gott so klein macht, dass er im Abendmahl in solch einer kleinen Hostie zu uns kommt. Aber dass wir es nicht verstehen können, heißt ja nicht, dass Gott nicht dazu in der Lage wäre, im Gegenteil: Sein Verstand ist unausforschlich, so betont es der Prophet hier. Für Gott ist möglich, was uns ganz und gar unmöglich erscheint, und wir – wir können über dieses Wunder nur staunen.
Liebe Schwestern und Brüder in unserem Herrn Jesus Christus, kein noch so gut zusammengeschnittener Youtube-Gottesdienst, kein noch so professionell dargebotener Livestream, kann die leibhaftige Gemeinschaft mit Gott selber im Heiligen Abendmahl auch nur ansatzweise ersetzen. Wenn die Begegnung mit dem leibhaftig auferstandenen Christus ausfällt, dann begegnen wir nicht mehr den, der uns Kraft gibt.

Ja, wir haben zurzeit wunderbare andere Möglichkeiten das Evangelium zu hören, aber die ganz große Begegnung mit dem Schöpfer des Alls bleibt aus. Und das schmerzt uns, auch an diesem Sonntag nach Ostern, dass wir das Abendmahl nicht empfangen können, und diesen Schmerz kann und möchte ich nicht unterdrücken.
Natürlich gibt es Gründe, warum wir im Augenblick nicht in der Kirche zusammenkommen können. Aber normal und selbstverständlich oder gar modern darf uns das niemals werden. Wir brauchen die leibhaftige Begegnung mit dem Schöpfer des ganzen Universums, mit Christus im Heiligen Abendmahl, und alle Predigten, die ich euch schicke, alle Andachten die ich an euch weiterleite und alle sonstigen Bemühungen, euch nicht geistlich verhungern zu lassen, sind und bleiben Notbehelfe, mehr nicht.

Liebe Schwestern und Brüder in unserem Herrn Jesus Christus, wir werden auch als Kirche geistlichen Schaden nehmen, wenn wir glauben sollten, es sei doch gar nicht so schlimm, dass wir nicht zum Abendmahl gehen können, da wir doch nun so viele andere Möglichkeiten haben Gottes Wort zu verbreiten.
Ja, natürlich, Christus ist auferstanden und lebt, er ist auch heute bei uns, wenn wir sein Wort hören, ganz bestimmt. Und doch sollen wir Gotteswort für heute Morgen niemals aus den Ohren verlieren, auch in den Wochen, die vor uns liegen: „Weißt du nicht? Hast du nicht gehört?“ Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat … gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden.“

Und darum harren wir auf den Herrn bis es dann endlich wieder soweit sein wird und wir es nicht nur hören müssen, sondern es auch erleben dürfen, wie er uns neue Kraft gibt: Ja, Christus nimmt Wohnung in meinem Körper, in meinem kaputten, von Corona und manch anderem Leid bedrohten und gezeichneten Körper.
Und genau darum darf ich voller Zuversicht sein: Der Tod hat nicht das letzte Wort; ich werde einmal selber auferstehen und „auffahren mit Flügeln wie Adler“, werde einmal leben für immer, dort, bei Gott, wo ich nicht matt, wo ich nicht müde werden werde. Amen.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


Predigt zu Quasimodogeniti, den 19. April 2020

Wochenspruch

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. 1. Petrus 1, 3

Introitus – Nr. 32 (1. Petrus 2, 2; Psalm 81, 2)

Epistel

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereit ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit. Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, damit euer Glaube als echt und viel kostbarer befunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit

1. Petrus 1, 3 – 9

Evangelium

Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich’s nicht glauben. Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! [Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.]

Johannes 20, 19 – 29 [30 – 31]


  • liturgische Farbe: weiß
  • Festzeit: Österliche Freudenzeit
  • Wochenspruch: 1. Petr 1,3
  • Wochenpsalm: Ps 116
  • Eingangspsalm: Ps 118
  • Epistel: 1. Pet 1,3-9
  • Evangelium: Joh 20,19-29
  • Predigttext: Joh 21,1-14
  • Wochenlied: 102

Erklärung zu den Perikopen:

Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).


  • I(Evangelium): Joh 20,19-29
  • II: 1. Pet 1,3-9
  • III: Joh 21,1-14
  • IV: Kol 2,12-15
  • V: Mk 16,9-14 (15-20)
  • VI: Jes 40,26-31